Dr. Sibylle Peters, Projektemacherin und Performerin zwischen Theater und Wissenschaft, ist künstlerische Leiterin des Forschungsprojekts „Prognosen über Bewegungen“ (in Kooperation mit dem Hebbel am Ufer (HAU) in Berlin, der Freien Universität Berlin und der Kulturstiftung des Bundes). Ihr Forschungstheater im Fundus Theater Hamburg (www.fundus-theater.de) widmet sich der Erprobung neuer Formen von Performance und Partizipation im Kindertheater. Gegenwärtig habilitiert sie sich zum Thema „Der Vortrag als Performance“. Sie hat zum Gebrauch der Zeit, zur Theorie des Unwahrscheinlichkeitsdrives und zur Figuration von Evidenz publiziert und ist mit Lecture Performances auf Bühnen in Deutschland, Großbritannien, Kroatien und der Schweiz zu sehen.
Matthias Anton war Einparker, Sexshop-Verkäufer, Übersetzer und Sinologe bevor er freier Künstler und Performer wurde. China nicht zu verstehen, ist ein wichtiges Anliegen seiner Arbeiten. In Zusammenarbeit mit der geheimagentur hat er zahlreiche partizipatorische Projekte entworfen und realisiert. Heute ist er als Wundersucher, autonomer Astronaut, Zauberer, Casino-Betreiber und Zukunftsforscher tätig.
Die geheimagentur führt Forschungen im Bereich des Irregulären, Außergewöhnlichen oder strikt Absonderlichen durch: In Bochum suchte sie nach Wundern („Die Wunder von Bochum“, RuhrTrienale 2005), auf der Erde nach dem Weltraum („Club der Autonomen Astronauten“, Fundus Theater Hamburg 2006), in Zagreb nach Trickstern (TRICK-CASINO OF ZAGREB, UrbanFestival Zagreb, Kroatien 2007; Kampnagel, Hamburg 2007), in Zürich nach einem Alibi für den Abend ihres Auftritts („Alibi“ im Rahmen des Projekts „Komplizenschaft – Arbeit in Zukunft“, Hochschule für Gestaltung und Kunst, 2007). Passagen von einer Wirklichkeit zur anderen, Situationen und Techniken, die wie Fiktionen erscheinen und dann überraschenderweise doch die Realitätsprüfung bestehen – das sind die Momente, nach denen die geheimagentur sucht. Politische Performance ist für die geheimagentur nur dann interessant, wenn sie die Grenzen von Aufklärung und symbolischer Politik in Richtung auf „instant pleasure“ überschreitet. Ihre Strategien wollen eine andere Realität im Kleinen entstehen lassen und nicht in kritischer Geste die alte Welt bestätigen. (www.geheimagentur.net)
Workshop 2 – Theater, Diskurs, Konzept
Das offene Kollektiv. Theater als sozialer Forschungsprozess
geleitet von Sibylle Peters & Matthias Anton in Zusammenarbeit mit der geheimagentur
In ihrem Projekt „Respekt: geben was man nicht hat“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Go create resistance“ am Hamburger Schauspielhaus 2003 kaufte die geheimagentur sämtliche Eintrittskarten zu ihrer eigenen Vorstellung auf und verteilte sie kostenlos an die Zuschauer. Aus Zuschauern wurden Beteiligte, die sich im Laufe des Abends gegenseitig ihren Respekt aussprachen. Seitdem geht es der geheimagentur immer wieder darum, mit ihrem Publikum Kollektive zu bilden: Im Rahmen der RuhrTrienale wuchs ein Kollektiv aus Wundersuchern und Wundersamen („Die Wunder von Bochum“, 2005). In Kroatien bildete sich ein Kollektiv der Trickster im „Casino of Tricks“ (Urbanfestival Zagreb 2007). Gegenwärtig entstehen in Hamburg ein Kollektiv der Zukunftsforscher in einem Orakel-Projekt (Kampnagel, Spielzeit 2007/2008) und parallel dazu ein Kollektiv derer, die sich ein Alibi geben: „Alibi: wir sind nicht da.“ (Thalia Theater, 2008).
Das offene Kollektiv. Theater als sozialer Forschungsprozess
geleitet von Sibylle Peters & Matthias Anton in Zusammenarbeit mit der geheimagentur
In ihrem Projekt „Respekt: geben was man nicht hat“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Go create resistance“ am Hamburger Schauspielhaus 2003 kaufte die geheimagentur sämtliche Eintrittskarten zu ihrer eigenen Vorstellung auf und verteilte sie kostenlos an die Zuschauer. Aus Zuschauern wurden Beteiligte, die sich im Laufe des Abends gegenseitig ihren Respekt aussprachen. Seitdem geht es der geheimagentur immer wieder darum, mit ihrem Publikum Kollektive zu bilden: Im Rahmen der RuhrTrienale wuchs ein Kollektiv aus Wundersuchern und Wundersamen („Die Wunder von Bochum“, 2005). In Kroatien bildete sich ein Kollektiv der Trickster im „Casino of Tricks“ (Urbanfestival Zagreb 2007). Gegenwärtig entstehen in Hamburg ein Kollektiv der Zukunftsforscher in einem Orakel-Projekt (Kampnagel, Spielzeit 2007/2008) und parallel dazu ein Kollektiv derer, die sich ein Alibi geben: „Alibi: wir sind nicht da.“ (Thalia Theater, 2008).
Zu ihrem Workshop schreiben Sibylle Peters und Matthias Anton:
„Wir werden Projekte untersuchen, die die Institution Theater als Forum für soziale Prozesse mit künstlerischen Mitteln neu entdecken. Mit den sozialen Strukturen auf und hinter der Bühne ist immer wieder experimentiert worden. Manchmal waren es aufregende Experimente zur sozialen Dynamik und zu Fragen der Hierarchie. Heute wird das Publikum häufig in die szenischen Forschungsprozesse mit einbezogen, wodurch sich die sozialen Strukturen auf, hinter und vor der Bühne ineinander schieben, sich eins ins andere verwandelt. Dadurch wird sich das ‚Publikum’ auf neue Weise selbst zum Schauspiel, und das Experiment mit den sozialen Strukturen, in denen Theater entsteht, erhält neue Impulse. Theatermachen wird zu einer Probe auf neue Formen des Kollektiven und damit zu einer Probe auf die Konstitution von Öffentlichkeiten und ihre Wirkungsmacht.
Auch die deutschsprachigen Stadt- und Staatstheater beziehen ihr Publikum verstärkt in szenische Prozesse mit ein. Die Formen dieser Partizipation sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von der Beteiligung theaterfremder Darsteller in Inszenierungen (Rimini Protokoll) über die Kollektiv-Performances der Gruppe Gob Squad (www.gobsquad.com) wie „King Kong Club“ bis hin zu den Radioballetten der Gruppe LIGNA. Gleichzeitig verschwimmen bei diesen Interventionen und Perfomances die Grenzen zwischen (politischer) Kunstform, die die Beziehung zwischen Zuschauen und Agieren neu definiert, und zeitgenössischen Methoden der kulturellen Bildung.
Was ermöglicht partizipatorische Arbeit? Wie verbindet sich Partizipation mit Professionalität? Welche Interessen stehen dahinter? Wie fügen sich partizipatorische Projekte in die gegebenen Produktionsstrukturen von Theatern ein? Wo erzeugen sie Reibung und Probleme, wo führen sie vielleicht zu Veränderungen? Wie können Kollektive entstehen? Und gibt es so etwas wie eine „Virtuosität des Kollektiven“? Um Antworten zu finden, untersuchen wir verschiedene Projekte. Willkommen sind auch Erfahrungen, Beispiele und Projektskizzen der TeilnehmerInnen.“
Im weiteren Verlauf des Workshops wird die geheimagentur die TeilnehmerInnen in praktische Recherchen zu ihrem aktuellen Orakel-Projekt mit einbeziehen, das sich um kollektive Formen der Zukunftsvorhersage dreht. Während des Festvals richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Theatertreffen selbst. Worum geht es bei diesem Festival? Welche aktuellen Strömungen lassen sich in den Inszenierungen, Gesprächen und Partys erkennen? Was lässt sich über ihren weiteren Verlauf prognostizieren? Inwieweit ist man selbst Teil des Ganzen? „Unter dem Motto ‚as if these were the early days of a better society’ werden wir daher inmitten des Theatertreffens nach Vorzeichen suchen – und zwar nicht nur auf der Bühne: Welche neuen Kollektive machen das Theater der Zukunft? Zwischen Wunsch und Wirklichkeit interessieren uns vor allem die inoffiziellen Auftritte, die Geheimnisse, die Komplizenschaften, die Unentscheidbarkeiten, die Details am Rande. Denn durch sie erkennen wir, was wir zu hoffen wagen. Vielleicht entsteht aus den von den TeilnehmerInnen zusammengetragenen Vorzeichen am Ende eine Art Orakel, das sich auch öffentlich befragen lässt?“
Präsentiert wird das Projekt wenige Wochen nach Ende des Workshops auf dem internationalen Kongress „Prognosen über Bewegungen“ (künstlerische Leitung: Sibylle Peters).
„Wir werden Projekte untersuchen, die die Institution Theater als Forum für soziale Prozesse mit künstlerischen Mitteln neu entdecken. Mit den sozialen Strukturen auf und hinter der Bühne ist immer wieder experimentiert worden. Manchmal waren es aufregende Experimente zur sozialen Dynamik und zu Fragen der Hierarchie. Heute wird das Publikum häufig in die szenischen Forschungsprozesse mit einbezogen, wodurch sich die sozialen Strukturen auf, hinter und vor der Bühne ineinander schieben, sich eins ins andere verwandelt. Dadurch wird sich das ‚Publikum’ auf neue Weise selbst zum Schauspiel, und das Experiment mit den sozialen Strukturen, in denen Theater entsteht, erhält neue Impulse. Theatermachen wird zu einer Probe auf neue Formen des Kollektiven und damit zu einer Probe auf die Konstitution von Öffentlichkeiten und ihre Wirkungsmacht.
Auch die deutschsprachigen Stadt- und Staatstheater beziehen ihr Publikum verstärkt in szenische Prozesse mit ein. Die Formen dieser Partizipation sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von der Beteiligung theaterfremder Darsteller in Inszenierungen (Rimini Protokoll) über die Kollektiv-Performances der Gruppe Gob Squad (www.gobsquad.com) wie „King Kong Club“ bis hin zu den Radioballetten der Gruppe LIGNA. Gleichzeitig verschwimmen bei diesen Interventionen und Perfomances die Grenzen zwischen (politischer) Kunstform, die die Beziehung zwischen Zuschauen und Agieren neu definiert, und zeitgenössischen Methoden der kulturellen Bildung.
Was ermöglicht partizipatorische Arbeit? Wie verbindet sich Partizipation mit Professionalität? Welche Interessen stehen dahinter? Wie fügen sich partizipatorische Projekte in die gegebenen Produktionsstrukturen von Theatern ein? Wo erzeugen sie Reibung und Probleme, wo führen sie vielleicht zu Veränderungen? Wie können Kollektive entstehen? Und gibt es so etwas wie eine „Virtuosität des Kollektiven“? Um Antworten zu finden, untersuchen wir verschiedene Projekte. Willkommen sind auch Erfahrungen, Beispiele und Projektskizzen der TeilnehmerInnen.“
Im weiteren Verlauf des Workshops wird die geheimagentur die TeilnehmerInnen in praktische Recherchen zu ihrem aktuellen Orakel-Projekt mit einbeziehen, das sich um kollektive Formen der Zukunftsvorhersage dreht. Während des Festvals richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Theatertreffen selbst. Worum geht es bei diesem Festival? Welche aktuellen Strömungen lassen sich in den Inszenierungen, Gesprächen und Partys erkennen? Was lässt sich über ihren weiteren Verlauf prognostizieren? Inwieweit ist man selbst Teil des Ganzen? „Unter dem Motto ‚as if these were the early days of a better society’ werden wir daher inmitten des Theatertreffens nach Vorzeichen suchen – und zwar nicht nur auf der Bühne: Welche neuen Kollektive machen das Theater der Zukunft? Zwischen Wunsch und Wirklichkeit interessieren uns vor allem die inoffiziellen Auftritte, die Geheimnisse, die Komplizenschaften, die Unentscheidbarkeiten, die Details am Rande. Denn durch sie erkennen wir, was wir zu hoffen wagen. Vielleicht entsteht aus den von den TeilnehmerInnen zusammengetragenen Vorzeichen am Ende eine Art Orakel, das sich auch öffentlich befragen lässt?“
Präsentiert wird das Projekt wenige Wochen nach Ende des Workshops auf dem internationalen Kongress „Prognosen über Bewegungen“ (künstlerische Leitung: Sibylle Peters).
