
René Pollesch © Bahar Kaygusuz
René Pollesch, geboren 1962 in Friedberg/Dorheim in Hessen, gestorben 2024 in Berlin, war Autor und Regisseur. Er studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Stücke in eigener Regie brachte er ab 1984 zur Uraufführung. Von 2001 bis 2007 war René Pollesch Künstlerischer Leiter des Praters der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in der Kastanienallee. 2002 wurde er in der Kritiker*innenumfrage des Fachmagazins Theater heute zum besten deutschsprachigen Dramatiker gewählt.
2007 erhielt er für „Das purpurne Muttermal“ (Akademietheater Wien) den Wiener Theaterpreis NESTROY für das beste Stück. Für „Fantasma“ (Akademietheater Wien) erhielt er 2009 den Publikumspreis der Mülheimer Theatertage. Bis 2017 arbeitete er in enger Allianz mit dem Bühnenbildner Bert Neumann an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Neben zahlreichen inszenierten Stücken entwickelte er auch Serien- und Filmformate. Seine langjährig erprobte Praxis als postdramatischer Autor und Regisseur vertraute wesentlich auf die autonome Tätigkeit, das heißt Autorschaft der im Theater versammelten Künstler*innen, wie allen voran den Schauspieler*innen und Bühnen-und Kostümbildner*innen, da nur das Zusammenarbeiten Mehrerer, die Autonomie nicht hermetisch denken, ermöglicht, dass sich das Theater nicht dem Befehl der Alleinherrschaft der Regie über eine Produktion oder gar ein ganzes Verständnis von Theater unterwirft. Von ihm stammt das Zitat „Die erste Autorin oder der erste Autor eines Theaterabends ist die Bühnenbildnerin oder der Bühnenbildner. Sie machen einen Vorschlag und sind keine Empfänger*innen von Anweisungen. Und dieser Vorschlag wird gehört.“
René Pollesch inszenierte seine Stücke u. a. am Staatstheater Stuttgart, am Burgtheater Wien, am Thalia Theater Hamburg, an den Münchner Kammerspielen, am Schauspielhaus Zürich sowie in Warschau, Stockholm, Tokio, Sofia und São Paulo. Ab der Spielzeit 2021/22 bis zu seinem Tod im Februar 2024 war René Pollesch Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.
Drei seiner Inszenierungen wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen: 2002 „Prater-Trilogie“ (Stadt als Beute, Insourcing des Zuhause - Menschen in Scheiß-Hotels und Sex nach Mae West), 2012 „Kill your Darlings! Streets of Berladelphia“und 2025 „ja nichts ist ok“.
Stand: März 2025