Forum 2025

Step forward – Selbstpositionierung und künstlerische Praxis

Das Forum des Theatertreffen der Jugend richtet sich an Theaterpädagog*innen, Lehrer*innen, Regisseur*innen, Sozialarbeiter*innen, Studierende und Lehrende an Hochschulen, Künstler*innen und andere Verantwortliche der eingeladenen Inszenierungen. Es untergliedert sich in die Bereiche Praxis und Dialog.

Die weiter andauernden globalen Krisen stellen auch das künstlerisch pädagogische Schaffen…vor neue Herausforderungen. Das Selbstverständnis von künstlerischer Praxis als Arbeit an der offenen Gesellschaft gerät unter Druck und  zunehmend ins Abseits, was sich nicht zuletzt an den massiven Kürzungen im Bereich der kulturellen Bildung zeigt. Junge Menschen bilden in dieser Gesellschaft eine Minderheit. Es fehlt an politischer Repräsentation. Räume, in denen Wachstum und Entfaltung, Experiment und Selbstfindung stattfinden können, werden kleiner. Angesichts dieser Entwicklungen braucht es ein Dagegen-Halten und ein umso bewussteres Räume-Schaffen. Fragen nach Zugänglichkeit und Teilhabe rücken in der Theaterarbeit mit jungen Menschen mehr denn je ins Zentrum. Diese finden sich in der Selbstbefragung und Selbst-Positionierung, in die man sich als Spielleitung bestenfalls immer wieder aufs Neue begibt – next step – next level. Wie lassen sich die erworbenen Kenntnisse und Haltungen nun in die damit verbundenen Praktiken (des Probens), Arbeitsweisen und Ästhetiken überführen? Mit welcher Haltung sprechen wir junge Menschen an und machen Theater? Welche Themen wollen wir mit jungen Menschen wie verhandeln und welche Themen wollen sie selbst verhandeln?? Wie wirkt das Wissen um Macht und Diskriminierungsformen in künstlerische Arbeitsprozesse hinein bzw. wie finden diese ihren Ausdruck?  So könnte ein Blick in das Feld Diversität und Adultismus zu neuen Rahmenbedingungen und Arbeitsweisen für die eigene Praxis führen? 
Das diesjährige Forum lädt dazu ein, in einem geschützten, kollegialen Raum das eigene Selbstverständnis und die eigene künstlerisch-pädagogische Praxis auf die Probe zu stellen, neu zu sortieren und – im besten Sinne – ein Stück weit auch zu ver_rücken. 

Das Forum beginnt mit einem Kickoff-Workshop, der Raum zum gegenseitigen Kennenlernen und zum gemeinsamen Einstieg in das Festival bietet. Die anschließenden Workshops der Sektion Praxis gehen von den künstlerisch-pädagogischen Positionen der Workshopleiter*innen aus und bieten den Teilnehmer*innen Einblicke in deren Herangehensweisen und Strategien. 

Der Workshop mit Wiebke Hagemeier und Friederike Dunger lädt dazu ein, sich in einer adultismuskritischen Haltung und Praxis zu üben. Während Modjgan Hashemian in ihrem Workshop den Körper in seiner politischen Dimension in den Blick nimmt, beforschen Aaron Aschenbach und Ursula Jenni Räume unter Klassismus-Perspektive. Um Fragen von Zugängen geht es auch bei Jannina Brosowsky, die am Beispiel einer Relaxed Performance Formen kreativen Barriereabbaus vorstellt. Matin Soofipour Oman lenkt den Blick auf Praktiken des Schreibens und Überschreibens. Suna Gürler lädt die Teilnehmenden dazu ein, das Spannungsfeld von partizipativem Arbeiten und künstlerischen Vorgaben auszuloten. Marc-Oliver Krampe rückt demokratische Verfahren für die Künste und dabei auch für das eigene demokratische Handeln in den Blick. Nadja Raszewski verhandelt in ihrem Workshop Haltungsfragen über Tanz und Bewegung. Im Fokus steht die Erkundung und Reflexion des eigenen Körper-Handelns im Raum und damit verbundener Vermittlungsansätze. 

Dialog

Die Sektion Dialog bietet allen Teilnehmer*innen am Forum die Möglichkeit, im Rahmen der Aufführungsgespräche über die eingeladenen Produktionen des Theatertreffens zu sprechen. 

Leitung:

Dr. Ina DriemelTheaterpädagogin in Theorie und Praxis
Astrid PetzoldtTheatervermittlerin, Dozentin, Netzwerkerin

Praxis

Samstag, 31. Mai 2025, 10:00 – 12:30 Uhr
Kick-off-Workshop Forum

Willkommen beim Theatertreffen der Jugend! Zu Beginn des Festivals wollen wir uns in diesem Kick-Off-Workshop Zeit zum Kennenlernen nehmen. Wer sind „wir“ und was macht dieses temporäre „wir“ aus? Welche Perspektiven auf die Theaterarbeit mit Jugendlichen gibt es und wie wollen wir dazu miteinander ins Gespräch gehen? Welche Erwartungen stehen in Hinblick auf das Festival im Raum? Diesen und anderen Fragen wollen wir uns ganz praktisch widmen. Eingeladen sind alle Spielleitungen der eingeladenen Produktionen, Delegierte sowie Teilnehmende des Forum-Programms.

Mit

Nina KruskaLehrerin
Astrid Petzoldt – Theatervermittlerin, Dozentin, Netzwerkerin


Samstag, 31. Mai 2025, 13:30 –16:00 Uhr
B(e)RATEN und MITMISCHEN – Adultismuskritische Haltung und Praxis üben

Wie beeinflusst Adultismus die Zusammenarbeit von jungen Menschen und Erwachsenen in Theaterräumen? In diesem Workshop setzen wir uns mit den Mechanismen von Adultismus auseinander und untersuchen, wie Strukturen der Macht und Partizipation wirken. Gemeinsam reflektieren wir Möglichkeiten, wie junge Stimmen aktiv und respektvoll in Entscheidungsprozesse einbezogen werden und welche Haltungen und Strukturen dem noch im Weg stehen. Ein praxisnaher Raum für kritische Reflexion und gemeinsames Üben! 

Mit

Wiebke HagemeierTheaterpädagogin und Kulturmanagerin
Friederike Dunger – Theaterpädagogin und Kulturmanagerin


Sonntag, 1. Juni 2025, 10:00 –16:00 Uhr
KörperSprache als politische Praxis

Bewegungsworkshop 
Worte können überhört, verdreht oder bewusst missverstanden werden. Sprache verbindet, schafft aber auch Barrieren durch soziale Ungleichheit, Machtstrukturen oder digitale Schnelllebigkeit. Doch wie drücken wir uns aus, wenn sie nicht ausreicht?

Dieser Workshop widmet sich Ausdruck und Körpersprache als politischer Praxis. Er erforscht, wie der Körper Bedeutung vermittelt, Raum beansprucht, Widerstand ausdrückt und Zugehörigkeit schafft. Dabei hinterfragen wir die Selbstverständlichkeit von Sprache und untersuchen, wie Bewegung Kontexte verständlicher macht. Zudem geht es darum, mit dem gesprochenen Wort zu spielen und diese aus starren grammatikalischen Gerüsten zu extrahieren. 

Durch praktische Übungen, Reflexion und Austausch entwickeln wir neue Ansätze für die theaterpädagogische Praxis. Raum für Experimente und Erlebnisse stehen dabei ebenso im Fokus wie konkrete Beispiele aus der Arbeit der Choreografin Modjgan Hashemian.

Mit

Modjgan HashemianChoreografin


Sonntag, 1. Juni 2025, 10:00 –16:00 Uhr
klasseNräume

„Der Übergang von einer Klasse zur anderen beschränkt sich also nicht auf die bloß theoretische Aneignung der Sitten und Bräuche, sondern verlangt ihre Inkorporation in der Praxis, das, was Bourdieu körperliches Lernen nennt.“ 
(Chantal Jaquet)

Räume sind mehr als physische Orte oder Nutzflächen – sie sind Widerhall sozialer Strukturen, in denen unausgesprochene Regeln, Erwartungen und Zugehörigkeiten wirken. In diesem Workshop erkunden wir biografisch und dialogisch soziale Strukturen in spezifischen Räumen: Welche Codes prägen sie? Wie sprechen, kleiden oder verhalten wir uns dort? Durch welche Räume sehen wir uns ermächtigt oder verunsichert? Durch welche performativen Strategien lassen sich Räume verschieben und diverse Perspektiven verstricken? Wir erkunden, inwiefern sozial geprägte Räume durch Theater- und Performance-Strategien für Menschen unterschiedlicher Klassen-Erfahrung zugänglicher werden.

Mit

Aaron AschenbachMasterstudierender für Theater und Deutsch
Ursula JenniLehrkraft für besondere Aufgaben in der Didaktik im Lehramt Theater/Darstellendes Spiel


Montag, 2. Juni 2025, 13:30 – 16:00 Uhr
aesthetics of access – Formen kreativer Barriereabbaus

Welche Ästhetik hat Theater und welche Barrieren kann dies mit sich bringen? Wer wird davon ausgeschlossen, wer bevorteilt? In diesem Workshop erkunden wir anhand des sozialen Models von Behinderung kreative Möglichkeiten, um Barrieren bereits im Produktionsprozess zu hinterfragen. Dabei nehmen wir das Gestalten einer Relaxed Performance als exemplarisches Beispiel. Wir streifen zudem kurz Ideen wie kreative Übertitel, integrative Audiodeskription und Shadowing als Tool der Integration von zwei Sprachen am Set (z.B. Deutsche Gebärdensprache und deutsche Lautsprache).

In einer Gruppenphase gehen die Teilnehmenden selbst ins Konzipieren und können die Formen kreativer Barrierefreiheit spielerisch anhand einer ausgewählten Inszenierung anwenden.

Mit

Jannina Browosky – MA in Applied Theatre (Goldsmith University London), Theatermacher*in und Künstler*in


Montag, 2. Juni 2025, 13:30 – 16:00 Uhr
Neue Perspektiven auf Literatur im Jugendtheater

In diesem Workshop setzen wir uns intensiv mit der Vielfalt literarischer Stimmen auseinander. Der Fokus liegt auf der Förderung von Erzählstimmen aus nicht-weißen, migrantischen, queeren und jüdischen Kontexten. Es werden praxisorientierte Ansätze vorgestellt, wie z.B. szenisches Schreiben und kreative Überschreibungsprozesse im Unterricht eingesetzt werden können. Die Übungen sollen Perspektiven erweitern, den kreativen Ausdruck der Schüler*innen stärken und ihnen einen Raum für eigene Ausdrucksformen bieten, um neue, selbstbestimmte Narrative entstehen zu lassen. Der Workshop richtet sich an Lehrkräfte, Theaterpädagog*innen und Akteur*innen der kulturellen Bildung, die mit Jugendlichen arbeiten.

Mit

Matin Soofipour Omam – Studium der Dramatischen Literatur und des Szenischen Schreibens an der Universität Teheran sowie Theaterpädagogik an der Universität der Künste in Berlin


Dienstag, 3. Juni 2025, 10:00 – 16:00 Uhr
Stückentwicklung mit und für junge Menschen – Im Spannungsfeld zwischen Regie und Partizipation

In diesem Workshop gibt Suna Gürler Einblick in ihre Arbeit mit jugendlichen Spieler*innen im professionellen Stadttheaterbetrieb: Welche strukturellen Voraussetzungen können erwachsenen Theaterschaffenden helfen, sich inhaltlich und textlich nah an junge Lebensrealitäten heranzutasten? In welchen Formaten, welchen Erzählweisen? Wie Räume gestalten zwischen unbeschwertem Ausprobieren und Öffentlichkeitsdruck? Wie die Balance finden zwischen partizipativem Arbeiten und künstlerischen Vorgaben? Und wie überhaupt eine Besetzung finden und diese auch über die Produktion hinaus begleiten? 

Die Teilnehmenden setzen sich teils durch Videobeispiele und Textausschnitte, teils durch praktische Übungen und Impulse mit Gürlers Arbeitsweise auseinander. Gern sportliche Kleidung mitbringen: die Körperarbeit, das Sprechtempo - oder beides - werden uns zum Schwitzen bringen.

Mit

Suna Gürler – Regie, Schauspiel, Choreografie, Sounddesign, Schreiben, theatrale Recherche und Community Work


Dienstag, 3. Juni 2025, 10:00 – 12:30 Uhr
Die Kunst der Demokratie – demokratische(re) Praxen für Dich und die Darstellenden Künste

Wie können wir die Grenzen längst obsoleter (Theater-) Folklore öffnen und Theater zu demokratische(re)n Orten der gleichberechtigten Kreativität machen? Wie kann es trotz hierarchischer Strukturen, Klassismus und der Dominanz eines längst nicht mehr für alle relevanten Kanons gelingen, durch eigenes Handeln und gemeinsam mit Verbündeten Demokratie auf und hinter die Bühne zu bringen? Wie können wir in unserem künstlerischen Team oder im Kollektiv noch demokratischer zusammenarbeiten? 

Im Workshop stehen demokratische Verfahren und das entsprechende persönliche Verhaltensrepertoire im Rampenlicht: Wie geht Demokratie ganz praktisch? Wie demokratisch bin ich selbst?
Die BETZAVTA-Methode des Adam-Institute for Democracy and Peace Jerusalem sensibilisiert und ermächtigt mit praktischen Übungen, kreativen Ansätzen und viel Raum für Reflexion für gelingende demokratische Praxen. 

Mit

Marc-Oliver Krampe – Demokratie-Trainer


Dienstag, 3. Juni 2025, 13:30 – 16:00 Uhr
moving bodies in space

Um kreativ zu sein, sich zeigen zu wollen, Lust auf Lernen zu haben und eine Haltung zu entwickeln, braucht es ein Gefühl zum eigenen Körper. Wie viel Raum benötige ich selbst und wo kann ich Platz machen oder auch Platz schaffen? Wie können wir für Jugendliche über Bewegung, Tanz und Improvisation ein freudvolles Erlebnis und damit einen bewussteren Zugang zum eigenen Körper schaffen? In diesem Workshop mit viel Musik, Rhythmus und auch Humor erforscht Nadja mit euch die Energie, Dynamik und den Flow aus verschiedenen urbanen und zeitgenössischen Tanzstilen und macht sie für den eigenen tanz- und theaterpädagogischen Unterricht anwendbar. 

Mit

Nadja Raszewski – Choreografin, Tanzvermittlerin und künstlerische Leitung der TanzTangente in Berlin


Mittwoch, 4. Juni 2025, 13:30 – 16:00 Uhr
Campus x Forum

Campus x Forum ist ein gemeinsamer Experimentierraum. Hier kommen wir durch unterschiedlichste Stationen und Aufgaben in Bewegung, ins Gespräch, knüpfen Kontakte und inspirieren uns gegenseitig. Campus x Forum steht für Begegnung und Austausch. Hier machen die Teilnehmenden des Campus und die Teilnehmenden im Forum gemeinsame Sache. Es entstehen in den jeweiligen Gruppen Ideen, Konzepte und auch ganz viel Tanz. Erwachsene und Jugendlichen kommen zusammen experimentieren gemeinsam, lernen voneinander und begegnen sich!  Freut euch auf einen gemeinsamen Festivalmoment mit allen!

Voranmeldung nicht nötig. Einfach kommen und mitmachen.

Mit

Nadja Raszewski – Choreografin, Tanzvermittlerin und künstlerische Leitung der TanzTangente in Berlin

Anmeldung

Bei dem Workshopangebot handelt es sich um eine anerkannte Weiterbildungsmaßnahme, für die es eine Teilnahmebestätigung gibt.

Anmeldungen für externe Forum-Teilnehmende sind ab dem 10. April möglich.
Die Kosten für das Forum werden als Tagesgebühr berechnet:

  • Ein ganztägiger Workshop (10:00 – 16:00 Uhr) kostet 60 Euro / ermäßigt für Studierende 40 Euro.
  • Ein halbtägiger Workshop (z. B. 10:00 – 12:30 Uhr oder 13:30 – 16:00 bzw. 14:00 – 16.30 Uhr) kostet 30 Euro / ermäßigt für Studierende 20 Euro.
  • Bei der Buchung des gesamten Forum-Workshop-Programms (á 5 Tage) liegen die Kosten bei 250 Euro / ermäßigt für Studierende bei 170 Euro.

Der Preis für Verpflegung ist in der Teilnahmegebühr enthalten. Die Teilnahme an den Nachgesprächen ist kostenlos. Die Teilnahme am Forum wird als Weiterbildung anerkannt.