Die 10 bemerkenswertesten Inszenierungen

Bernarda Albas Haus

von Alice Birch nach Federico García Lorca
Übersetzt von Ulrike Syha

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Deutschsprachige Erstaufführung: 2.11.2024

Bernarda Albas Haus © Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Regisseurin Katie Mitchell entblößt in „Bernarda Albas Haus“ intensiv und mit herausragenden Schauspieler*innen die Brutalität patriarchaler Strukturen, die das Leben von Frauen nachhaltig bestimmen und sie in eine Spirale aus Gewalt und Schmerz treiben.

Nachtgespräch mit Publikum
am Samstag, 3.5.2025 im Anschluss an die Vorstellung
Impuls: Tarun Kade (IF 2012)
Jurymitglied: Katrin Ullmann
Moderation: Marion Brasch


3sat „Starke Stücke“: Die Inszenierung in voller Länge im TV sehen
am Samstag, 3.5.2025 um 20:15 Uhr auf 3sat

3sat „Starke Stücke“: Die Inszenierung ist in voller Länge online verfügbar
in der 3satMediathek und in der BerlinerFestspiele Mediathek ab Samstag, 3.5.2025 für mindestens 120 Tage


Es liegen Hinweise zu sensiblen und/oder gesundheitlich relevanten Inhalten vor.

Acht Jahre Trauer hat Bernarda Alba, der Tradition entsprechend, nach dem Tod ihres Mannes angeordnet: Das Verbot, das Haus zu verlassen, entfacht ein gefährliches Geflecht aus Eifersucht, unterdrücktem Begehren und Gewalt zwischen den Frauen des Hauses. Zwar erhalten Männer keinen Zutritt und haben überhaupt im Stück kein einziges Wort zu sagen. Dennoch sind es alte, patriarchale Strukturen, die Bernarda tyrannisch durchsetzt und gegen die sich ihre Töchter auflehnen. Die Bühne, ein puppenhausartiger Querschnitt des Hauses, wirkt dabei wie ein Gefängnis, in dem unter bedrohlicher Klangkulisse virtuos Worte und Gesten ineinandergreifen. Mitchells packende, präzise choreografierte Inszenierung, in der sie das kunstvolle Kompositionsprinzip der simultanen Parallelmontage weiterentwickelt, und das starke Ensemble lassen das Geschehen in komplexen Zeit- und Raumsprüngen lebendig werden und dabei das Heute immer mitschwingen.

Statement der Jury

Bernarda Alba ist erbarmungslos, und Katie Mitchells Inszenierung ist es ebenfalls. Kaum ist der Vater beerdigt, sperrt Bernarda Alba ihre fünf Töchter ein. Sie schottet sie ab von der Welt mit ihren Begierden und ihrem Hunger nach Leben. So schrieb es der spanische Autor Federico García Lorca im Jahre 1936. Die britische Dramatikerin Alice Birch hat aus der Tragödie eine provokante Neufassung erstellt, die Mitchell als hermetischen Albtraum inszeniert. In dem gefängnisartigen Bühnenhaus von Alex Eales erzählen elf äußerst präzise Spielerinnen von patriarchaler Herrschaft genauso wie vom häuslichen Matriarchat, von Aberglaube, Eifersucht, Missbrauch und Schmerz. Genau getimte Parallelmontagen, ineinander collagierte Dialoge und exakt choreografierte Zeitlupenszenen machen diesen Abend zu einem grandiosen, multisensorisch herausfordernden Gesamtkunstwerk. Eine spektakuläre Inszenierung und eine erschütternde Parabel über das Wechselspiel von Unterdrückung, Macht und Gewalt.

ZumVideostatement von Jurorin Katrin Ullmann über „Bernarda Albas Haus“

Programmheft (PDF, 5,6 MB)

Künstlerisches Team

Katie Mitchell – Regie
Alex Eales – Bühne
Sussie Juhlin-Wallén – Kostüme
James Farncombe – Licht
Paul Clark, Melanie Wilson – Komposition
Melanie Wilson – Original Sound Design
Sybille Meier – Dramaturgie

Besetzung

Julia WieningerBernarda Alba
Bettina StuckyMaria
Alberta von PoelnitzAngustias
Henni JörissenMariche
Josefine IsraelMagda
Mayla HäuserAmanda
Linn ReusseAdele
Luisa TarazPoncia
Sachiko HaraClara
Eva MaurischatPolly / Ruth
Joël SchnabelPeter
Heinke AndresenSchneiderin
Thomas Geiger / Mathias Baumann / Alexej MirAnwalt / Männer

Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag