Die 10 bemerkenswertesten Inszenierungen

ja nichts ist ok

von Pollesch/Hinrichs

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

Uraufführung: 11.2.2024

ja nichts ist ok © Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Die letzte gemeinsame Arbeit von René Pollesch und Fabian Hinrichs erzählt klug von der 
Tragik und Absurdität des aktuellen Zustands der Welt und ihrer Bewohner*innen. In seinem beeindruckenden Solo spielt Hinrichs einen unter vielen – und ist doch ganz und gar einzigartig.

Nachtgespräch mit Publikum
Sonntag, 4.5.2025 im Anschluss an die Vorstellung
Impuls: Hajo Kurzenberger (IF 1974)
Jurymitglied: Janis El-Bira
Moderation: Dîlan Z. Çapan

Kurz vor seinem plötzlichen Tod im Februar 2024 zeigte René Pollesch noch einmal eindrücklich, warum er zu den bedeutendsten Akteuren des Gegenwartstheaters gehörte. In „ja nichts ist ok“ wird eine Berliner Zweck-WG zum Brennglas auf Krisen der Gegenwart. Co-Autor und Schauspieler Fabian Hinrichs stellt dabei humor- und hingebungsvoll alle anwesenden Mitbewohner*innen dar, die sich über Unordnung in der Wohnung und Kriege in der Welt streiten. In den umständlichen Figurenwechseln und absurden Dialogen zwischen politischen Spannungen und persönlichen Unzulänglichkeiten blitzt die Zerrissenheit des Menschen des 21. Jahrhunderts durch, die tiefe Ratlosigkeit angesichts multipler Krisen und die Sehnsucht nach einer wirklichen Begegnung. Trotz dieser eher düsteren Themen haben Pollesch und Hinrichs einen berührenden und unterhaltsamen Abend geschaffen, der keine Antworten auf existenzielle Fragen liefert, aber nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Statement der Jury

Der traurigste Theaterabend des vergangenen Jahres, ein jäher Abbruch und ein Vermächtnis: Der viel zu frühe Tod von René Pollesch ist von dieser, seiner letzten Arbeit nicht mehr zu trennen. Aber „ja nichts ist ok“ bildet auch abseits der bitteren Umstände einen Höhepunkt im langen gemeinsamen Schaffen von Pollesch und seinem Verbündeten Fabian Hinrichs. Dieser spielt sich in einer WG ohne anwesende Mitbewohner*innen wortwörtlich entzwei, während über die Fernseher Bilder vom Krieg flackern. „Ist es ein Verbrechen, fröhlich zu sein?“, fragt er einmal, und in Momenten wie diesen scheinen sich die unauflösbaren Widersprüche unserer Zeit auszukristallisieren wie selten im Theater. Hyperreflektierter Weltschmerz weitet sich bis an den Rand des Absurden. Am Ende werden der Hauptdarsteller und mit ihm Autor und Text unter den warmen Körpern von Statist*innen begraben. Ein Schluss bloß und doch ein Abschied, gemacht aus Umarmungen.

ZumVideostatement von Juror Janis El-Bira über „ja nichts ist ok“

Programmzettel (PDF, 60 KB)

Künstlerisches Team

René Pollesch – Text
Anna Viebrock – Bühne
Tabea Braun – Kostüme
Frank Novak – Lichtdesign
Anna Heesen, Johanna Kobusch – Dramaturgie

Besetzung

Fabian Hinrichs

Nadine Ahlig, Farid Fleschmann, Niels Förster, Estanislao Gonzalez, Eva Günther, Kristina Hartmann, Sonja Holst, Manuel Klauser, Ingeborg Koch, Barbara Korte, Marion Lanzerstorfer, Christine Masuhr, Walpurga Pauels, Sebastián Pont Vergés, Carolina Pretell, Berit Scheerer, Klaus Schneider, Lotte Selier, Alex Sommerfeldt, Oliver Walter, Sonja Maria Célestine Weeke – Statist*innen

Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag Hamburg