Die 10 bemerkenswertesten Inszenierungen
von Florentina Holzinger
Eine Produktion von Florentina Holzinger/Spirit, neon lobster, Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin und Staatsoper Stuttgart in Koproduktion mit Wiener Festwochen | Freie Republik Wien, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin mit Komische Oper Berlin sowie Opera Ballet Vlaanderen, Julidans, Theater Rotterdam
Premiere: 30.5.2024 (Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin)
SANCTA © Staatsoper Stuttgart
Die Kurzoper „Sancta Susanna“ von Paul Hindemith über das sexuelle Erweckungserlebnis einer Nonne dient Florentina Holzinger als Ausgangspunkt für eine kraftvolle Interpretation der heiligen Messe, in der die Performer*innen die Grenzen ihrer körperlichen Ausdrucksformen ausloten.
Florentina Holzingers erste Opernperformance „SANCTA“ setzt sich mit den patriarchalen Strukturen der Kirche auseinander. Nachdem die Solistinnen und der Chor in Nonnenkostümen die expressive Hindemith-Oper auf die Bühne gebracht haben, entwickelt sich ein lustvoller Parallelentwurf zu einem Gottesdienst: Hier wird die Sixtinische Kapelle zur Kletterwand, Gott zum Roboter und die Oper zum Rockmusical. Auf der Suche nach Transzendenz verdrehen Körperkünstlerinnen* die religiösen Topoi von Kreuzigungswunden, Penetration, Kannibalismus und Transformation, und Show-Magierinnen* zeigen ihre Interpretationen der biblischen Wunder. Statt Disziplinierung und sexueller Züchtigung werden Selbstermächtigung und sinnlicher Lust gehuldigt, statt Susanna als Sünderin zu verurteilen, wird sich mit ihr solidarisiert. Die heilige Messe wird zum Spektakel und realem Möglichkeitsraum, in dem religiöse Konventionen herausgefordert werden in dem Versuch, sie gleichzeitig zu erneuern.
Steckt nicht in jeder Messe auch ein bisschen Zauberei? Wird dort nicht Brot in Fleisch, Wein in Blut verwandelt? Florentina Holzinger nutzt Paul Hindemiths Kurzoper „Sancta Susanna“ über das sexuelle Erweckungserlebnis einer Nonne als Startrampe für ihre mitreißende Version eines katholischen Gottesdienstes. Schon der Auftakt mit zwei fistenden Frauen zwischen Kreuz und Boulderwand legt den Grundkontrast des Abends dar: In der Oper die Insignien der Kirche zu Opfer, Schuld und Autorität, in Holzingers körperlicher Auslegung tabuloser Sex, Überschreitung und Schamlosigkeit. Ihre queerfeministische Truppe überschreibt sakrale Bilder und interpretiert biblische Szenen als körperliche Grenzerfahrungen. Während halbnackte Nonnen über eine Halfpipe skaten, rotiert eine Päpstin, tut eine Zauberin Wunder, kumpelt ein*e Landstreicher*in namens Jesus das Publikum an. Auch die Transsubstantiation wird hier ganz konkret als Spielart der Body Suspension exerziert. Doch die Verkehrungsorgie will am Ende mehr als Kink und Provokation und reicht allen im Publikum die Hände mit ihrer Message: „Don’t dream it, be it!“
ZumVideostatement von Jurorin Eva Behrendt über „SANCTA“
Programmheft (PDF, 1 MB)
Florentina Holzinger – Regie & Choreografie
Marit Strindlund – Musikalische Leitung
Nikola Knežević – Bühne und Kostüme
Felix Ritter, Fernando Belfiore, Judith Lebiez, Michele Rizzo, Miron Hakenbeck, Philipp Amelungsen, Renée Copraij, Sara Ostertag – Dramaturgie
Johanna Doderer – Komposition & Arrangement
Born in Flamez – Komposition & Supervision Bühnenmusik
Stefan Schneider – Komposition & Sound Design
Nadine Neven Raihani – Komposition & Produktion
Christopher Kandelin, Gibrana Cervantes, Josephinex Ashley Hansis, Karl-Johann Ankarblom, Odette T. Waller, otay:onii – weitere Komposition & Arrangement
Andrea Baker, Annina Machaz, Blathin Eckhardt, Born in Flamez, Cornelia Zink, Emma Rothmann, Fibi Eyewalker, Fleshpiece, Florentina Holzinger, Gibrana Cervantes, Jasko Fide, Laura London, Luz De Luna Duran, Netti Nüganen, otay:onii, Paige A. Flash, Renée Copraij, Saioa Alvarez Ruiz, Sara Lancerio, Sophie Duncan, Veronica Thompson, Xana Novais
Sängerinnen des Opernchores des Mecklenburgischen Staatstheaters
Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Weitere Förderpartner*innen: Ammodo, Kulturabteilung der Stadt Wien.
Mit Unterstützung von Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, Anna und Manfred Wakolbinger.
Unterstützung Recherchephase: Goethe-Institut
Aufführungsrechte:
„Sancta Susanna“ op. 21 © Mit freundlicher Genehmigung von Schott Musik, Mainz
„Blow, Gabriel, blow”; Words & Music: Porter, Cole © WC Music Corp.
Courtesy of Neue Welt Musikverlag GmbH
Choreografie Sophie Duncan